Kampagne: Kein Zufall

Überfüllte Seminare und Bibliotheken, keine günstiger Wohnraum, zu lange schlangen und schlechtes Essen in der Mensa, Anwesenheitslisten in Vorlesungen, keine Seminargebäude, zu wenig studentische Cafés, zu wenig Mitbestimmungsmöglichkeiten an der Hochschule, kein BAföG oder Wohngeld, keine Pluralität der Meinungen in der Wissenschaften, hoher Leistungs- und Konkurrenzdruck zwischen den Studierenden sind alles keine Zufälle.

Schlechte Studien- und Lebensbedingungen sind für viele Studierende Alltag. Die heutige Hochschullandschaft ist kein Ponyhof, jede_r wird getrimmt für den Arbeitsmarkt. Solidarität zwischen den Studierenden scheint ein Relikt aus den 70er Jahren zu sein. Alle drei Jahre gibt es moralische Appelle von Studierenden an die Präsidien oder an die Landes- oder Bundesregierung, eingebettet in große Demonstrationen. Es kommt sogar manchmal zu Besetzungen oder anderen Formen des zivilen Ungehorsam. Ändern tut sich aber wenig. Auf den Demonstrationen hören wir häufig, Bildung darf nicht zur Ware werden oder wir wollen kein Humankapital sein. Sogar von konservative Seite bekommen wir Recht und früher war doch eh alles besser.

Leider, liebe_r Leser_in, ist / war es so noch nie. Es stimmt, dass Bildung oder andere Bereiche wie Gesundheit, Wasserversorgung oder Wohnbau und andere vorher staatlich organisierte Bereiche auf dem „freien Markt“ geworfen werden. Jedoch würden wir lügen, wenn wir behaupten, dies wäre einmal anderes gewesen. In einer warenförmigen Gesellschaft, auch Kapitalismus genannt, wird so gut wie alles in Warenform organisiert, ob wir bei Lidl kaufen oder im Bioladen, alles bleibt eine Ware. Dies ist in der Hochschule nicht viel anderes. War es zwar früher hauptsächlich staatliche Aufgabe, die Zurichtung im Bildungswesen zu organisieren, kommen jetzt noch andere Interessengruppen dazu. Staat und Unternehmen wollen mitbestimmen, wie Studierende am besten zugerichtet werden können. Kapitalismus braucht das Wachstum und muss dieses irgendwie produzieren. Es ist also kein Zufall, dass schlechte Studien- und Lebensbedingungen vorhanden sind im Kapitalismus.

Dies wird auch nicht durch moralische Appelle an Politik und Hochschulleitung besser. Die einzige Möglichkeit aus dem Wahnsinn des Kapitalismus kurzzeitig auszubrechen ist, sich Raum und Zeit zu nehmen, um zu reflektieren: Wie unsere Gesellschaft funktioniert und welche Widersprüche darin existieren.

  • Für bessere Studien- und Lebensbedingungen
  • Wohnraum für Alle
  • Die Radikaldemokratisierung der Hochschule und aller Lebensbereiche ist unsere minimales Ziel